Zwei Stellplätze, keine 300 Meter voneinander entfernt, beide am Waldrand. Der eine kostet 24 Euro, der andere 38. Und trotzdem ist der günstigere der bessere. Warum? Weil auf dem teuren Platz die Parzellen so eng geschnitten sind, dass Sie beim Ausfahren mit dem Wohnwagen zweimal rangieren müssen, während auf dem günstigen ein Streifen Wiese zwischen zwei Fichten frei bleibt, den niemand parzelliert hat. Solche Unterschiede stehen in keiner Broschüre.
Wenn Sie nach den schönsten Campingplätzen im Harz suchen, bekommen Sie meist dieselben fünf Namen um die Ohren gehauen: Schierke, Elbingerode, Lonau, Bärenbache, Eulenburg. Alle existieren, alle sind irgendwie hübsch. Nur sagt Ihnen keiner, warum einer davon zu Ihnen passt und der andere nicht. Genau das versuche ich hier.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Lage entscheidet mehr als der Preis: Ein Platz direkt am Nationalparkrand spart Ihnen pro Tag bis zu 40 Autominuten Anfahrt zum Wanderweg.
- Kleine Plätze mit 40 bis 60 Parzellen schlagen die großen Resorts beim Thema Ruhe fast immer.
- Wer im Winter anreist, braucht einen Platz mit ganzjähriger Zufahrt – nicht jeder geräumte Zufahrtsweg im Oberharz bleibt geräumt.
- Stellplätze für Wohnmobile am Wasser sind im Harz rar. Die Talsperren sind meist Naherholungsgebiet mit strengen Regeln, nicht Campingzone.
- Preisunterschiede von über 40 Prozent pro Nacht lassen sich fast immer durch die Entfernung zum nächsten Wanderweg erklären.
Wo ist es im Harz am schönsten?
Diese Frage höre ich jedes Mal, wenn ich auf einem Campingplatz in der Region mit jemandem ins Gespräch komme. Und sie ist unfair, weil sie eine einzige Antwort verlangt, wo es mindestens drei völlig verschiedene Harze gibt.
Drei Gesichter einer Region
Der Oberharz um Schierke, Braunlage und den Brocken ist rau, hoch gelegen und im Frühjahr oft noch eine Woche länger weiß als das Umland. Der Westharz um Altenau und Torfhaus ist das Wanderrevier schlechthin. Und der Südharz um Herzberg und Bad Lauterberg ist wärmer, offener, mehr Mittelgebirge als Hochgebirgsattitüde.
Mein persönlicher Favorit? Der Oberharz. Nicht wegen des Brockens – den finde ich ehrlich gesagt überlaufen – sondern wegen der Granitblöcke, der kleinen Bäche und der Tatsache, dass Sie ab Schierke in zwanzig Minuten in einer Landschaft stehen, die nach 800 Metern Höhe riecht. Aber ich verstehe jeden, der im Südharz bleibt. Weniger Wind, mehr Sonne.
Die Naturschutz-Falle
Was bei all der Schwärmerei untergeht: Der Nationalpark Harz hat klare Regeln. Wildcampen ist verboten, auch eine Nacht im Van am Wanderparkplatz. Wer das ignoriert, riskiert ein Bußgeld – und das ist kein Kavaliersdelikt, sondern wird im Kerngebiet durchaus kontrolliert.
Also bleiben nur offizielle Plätze. Gut so. Denn die sind – wenn Sie richtig wählen – besser als jede wilde Wiese.
Welche Kriterien einen schönen Platz ausmachen
Schön ist kein Gefühl. Schön lässt sich zerlegen. Nach mehreren Harz-Touren mit Wohnwagen und Zelt habe ich für mich fünf Kriterien festgelegt, an denen ich jeden Platz messe:
- Parzellengröße und Zuschnitt – unter 80 Quadratmetern wird es mit Caravan plus Vorzelt eng.
- Entfernung zum Wanderweg oder Radweg – nicht in Kilometern, sondern in Gehminuten.
- Sanitärzustand – gepflegt heißt hier: mindestens einmal täglich gereinigt, nicht nur am Wochenende.
- Ruhefaktor: Wie viel Straßenlärm kommt nachts an?
- Ganzjahresbetrieb – und damit meine ich die tatsächlich offene Zufahrt, nicht nur das Wort auf der Website.
Und was ist mit dem Preis? Der gehört für mich auf Platz sechs. Ein Platz für 30 Euro, der Ihnen 40 Minuten Anfahrt erspart, ist billiger als der für 20 Euro, an dem Sie jeden Morgen dieselbe Strecke fahren.
Konkrete Plätze im Vergleich
Die folgenden Plätze tauchen in fast jeder Empfehlung auf – aus gutem Grund. Ich habe sie nicht nach einem Ranking sortiert, sondern nach Charakter, damit Sie sehen, welcher zu Ihrem Urlaub passt.
| Platz | Charakter | Ideal für | Schwachpunkt |
|---|---|---|---|
| Am Schierker Stern | Höhenlage, Wald direkt am Zaun | Wanderer, Wintercamper | Überlaufen in den Ferien |
| Elbingerode / am Brocken | Zentral, gut erreichbar | Familien, Durchreisende | Weniger Natur-Flair |
| Lonau | Klein, ruhig, Freibad nebenan | Ruhesuchende, Zeltcamper | Weite Anfahrt zum Hochharz |
| Am Bärenbache | Waldnah, klassisch | Kurzurlauber | Sanitär in die Jahre gekommen |
| Eulenburg | Familiär, überschaubar | Stammgäste | Begrenzte Parzellenzahl |
Harz Mountain Camp am Schierker Stern
Der Platz liegt – je nach Parzelle – auf über 600 Metern. Das merken Sie im April. Auf meiner ersten Tour Anfang Mai hatte ich morgens Eis auf der Windschutzscheibe, während in Wernigerode die Leute im T-Shirt saßen. Wer das nicht mag, fährt zwei Kilometer weiter talwärts und hat dasselbe Panorama ohne Frost.
Was mich überzeugt: Die Zufahrt zum Wanderweg Richtung Brocken ist zu Fuß in wenigen Minuten zu schaffen. Sie brauchen kein Auto. Das ist im Harz die halbe Miete.
Campingplatz Lonau
Klein, still, und daneben ein Freibad. Klingt harmlos, ist aber im Sommer für Familien ein gewaltiger Vorteil, weil die Kinder vom Stellplatz aus direkt ins Becken laufen. Nachteil: Bis zum Hochharz fahren Sie eine gute halbe Stunde. Wenn Ihr Urlaub aus Wandern auf dem Brockenplateau besteht, ist Lonau zu weit weg.
Wo finde ich Wohnmobilstellplätze am See im Harz?
Hier muss ich Sie enttäuschen. Echte Wohnmobilstellplätze direkt am Talsperrenufer sind im Harz selten, weil die Uferzonen rund um Okertalsperre, Rappbodetalsperre und Innerstetalsperre überwiegend Trinkwasserschutz- oder Naherholungsgebiete sind. Camping direkt am Wasser ist dort in der Regel nicht erlaubt.
Was funktioniert, ist die zweite Reihe: Plätze im Tal, von denen aus Sie in zehn bis fünfzehn Gehminuten an einem Ufer stehen. Die Okertalsperre bei Altenau ist dafür ein gutes Beispiel – nicht das Campen am See, aber das Frühstück mit Blick auf den Stausee.
Kurz gesagt: Wer Wasser als Hauptkriterium hat, sollte eher eine Ferienwohnung am Stausee buchen und das Wohnmobil woanders abstellen. Klingt unbequem, spart aber eine Menge Enttäuschung.
Was ist die 3-3-3-Regel beim Campen?
Die 3-3-3-Regel ist eine Faustformel für die Tagesetappe und stammt ursprünglich aus der Überland- und Offroad-Szene. Sie besagt grob: nicht mehr als drei Stunden Fahrzeit, Ankunft bis spätestens 15 Uhr, und mindestens drei Stunden Tageslicht zum Aufbauen, bevor es dunkel wird.
Für den Harz ist das eine überraschend nützliche Regel. Wer gegen 17 Uhr auf einem Platz im Oberharz ankommt, baut im schlimmsten Fall bei einbrechender Dunkelheit auf einem Gefälle auf. Ich habe das einmal gemacht. Einmal.
Die dritte Regel – die drei Stunden Tageslicht – rettet Ihnen im Winterurlaub den Abend. Zwischen November und Februar wird es im Harz früh dunkel, und ein Wohnmobil bei Dämmerung auf einer schrägen Parzelle auszurichten ist kein Vergnügen.
Wo sind die schönsten Wohnmobilstellplätze?
Wenn Sie mit dem Wohnmobil reisen und keinen großen Campingplatz brauchen, sieht die Sache anders aus als für Zelter. Die schönsten Stellplätze im Harz teilen drei Merkmale: Sie liegen am Ortsrand statt mitten im Ort, sie haben Ver- und Entsorgung in Reichweite, und sie sind überschaubar – zehn bis dreißig Stellflächen, nicht zweihundert.
Mein Rat: Suchen Sie sich einen Stellplatz als Basis, nicht als Ziel. Von einem gut gelegenen Platz in Schierke oder Braunlage erreichen Sie in einer halben Stunde fast das gesamte Wanderwegenetz. Die Fahrt jeden Morgen lohnt sich mehr als die Aussicht vom Stellplatz selbst.
Was kostet eine Nacht im Harz?
Genaue Tarife ändern sich jährlich, deshalb nenne ich hier nur Größenordnungen aus meiner Erfahrung: Für zwei Personen mit Wohnmobil liegen die meisten Plätze im Harz irgendwo zwischen 25 und 40 Euro pro Nacht, Zeltplätze oft günstiger, Winterzuschläge sind üblich. Wer deutlich darunter bleibt, zahlt meist mit schlechterer Lage.
Wann ist die beste Reisezeit?
Wer Ruhe will: Ende September. Das Wetter ist meist noch stabil, die Hauptsaison vorbei, und die Preise fallen spürbar. Wer Schnee und Wintercamping sucht: Januar bis Februar, dann aber nur mit einem Platz, der ganzjährig geöffnet ist und dessen Zufahrt auch bei Schnee geräumt wird. Das sollten Sie vorher telefonisch klären – nicht per E-Mail.
Fazit: der Platz, der zu Ihnen passt
Der schönste Campingplatz im Harz existiert nicht. Es gibt nur den, der zu Ihrer Reise passt. Wandern Sie auf den Brocken, nehmen Sie Schierke. Reisen Sie mit Kindern und brauchen ein Freibad nebenan, fahren Sie nach Lonau. Wollen Sie einfach nur still stehen und den Wald hören, suchen Sie sich einen der kleinen Plätze mit vierzig Parzellen und nicht den mit zweihundert.
Und wenn Sie ankommen und der Platz kommt Ihnen kleiner vor als auf den Fotos – willkommen im Club. Das ist normal. Die schönsten Nächte im Harz verbringen Sie ohnehin nicht auf dem Stellplatz, sondern auf dem Weg dorthin, irgendwo zwischen zwei Fichten, wenn der Nebel aufsteigt und Sie merken, dass Sie seit einer Stunde nichts mehr gesagt haben.