Die besten Filme von Anne Hathaway im Überblick

Anne Hathaway – für viele nur die Prinzessin von einst. Doch ihre Karriere verlief in vier radikalen Phasen: vom Oscar-Triumph über düstere Jahre bis zum bewussten Neustart auf Netflix. Eine Filmografie, die mehr über sie verrät als jede Jahresliste.

Die besten Filme von Anne Hathaway im Überblick

„Ist die eigentlich immer noch Prinzessin?" Meine Nichte hat mich das neulich gefragt, als im Fernsehen ein Trailer lief. Sie ist dreizehn. Für sie ist Anne Hathaway die Frau mit der Krone aus einem Film, der älter ist als sie selbst. Und irgendwie stimmt das ja auch. Aber es ist ungefähr so, als würde man Meryl Streep auf Tod auf dem Nil reduzieren.

Wenn Sie nach den Filmen von Anne Hathaway suchen, bekommen Sie meist eine endlose Jahresliste. Titel, Jahr, fertig. Was fehlt, ist der Zusammenhang: Warum verschwand sie nach ihrem Oscar fast zwei Jahre von der Leinwand? Wieso wirkt sie in Komödien manchmal fehlbesetzt, während sie in Dramen alles kurz und klein spielt? Und was läuft eigentlich gerade auf Netflix?

Ich habe ihre Filmografie in den letzten Wochen einmal komplett durchgearbeitet — von Plötzlich Prinzessin bis zu den Projekten, die 2026 anlaufen. Nicht chronologisch, sondern nach dem, was die Rollen über ihre Karriere verraten.

Wichtige Erkenntnisse

  • Ihr Oscar für Les Misérables (2013) war der Bruchpunkt: Danach kamen überwiegend düstere, spröde Rollen.
  • Der Teufel trägt Prada bleibt kommerziell ihr größter Erfolg — und die Fortsetzung läuft 2026 an.
  • Zwischen 2015 und 2018 drehte sie kaum etwas, das an der Kinokasse funktionierte. Die Gründe sind interessanter als die Filme selbst.
  • Ihr Netflix-Ausflug The Idea of You (2024) war ein bewusster Kurswechsel zurück ins Leichte.
  • Sie war mehrfach fast für Rollen besetzt, die dann an andere gingen — darunter eine, die heute untrennbar mit ihr verbunden scheint.

Filme von Anne Hathaway: eine Karriere in vier Phasen

Wer die Filme einfach nach Jahr sortiert, versteht die Logik dahinter nicht. Hathaways Laufbahn zerfällt in vier ziemlich klar abgegrenzte Abschnitte, und jeder davon ist eine Reaktion auf den vorherigen.

Die erste Phase ist die Disney-Zeit. 2001 kam Plötzlich Prinzessin in die Kinos, ein Teenager-Film über ein Mädchen aus San Francisco, das erfährt, dass es Thronfolgerin von Genovia ist. Ich war damals selbst noch Schulkind und fand den Film ehrlich gesagt ziemlich kitschig. Heute sehe ich, was daran funktioniert: Hathaway spielt Mia Thermopolis nicht als Prinzessin, sondern als jemanden, der ständig gegen die eigene Tollpatschigkeit kämpft. Das ist der Grund, warum der Film bis heute getragen wird und nicht nur Nostalgie ist.

Phase eins: Prinzessin, Prada, Jane Austen

Zwischen 2001 und 2007 war sie die Besetzung der Wahl für alles, was mit Anpassung zu tun hatte: ein Mädchen, das adelig wird (Plötzlich Prinzessin 2, 2004), ein Mädchen, das sich in ein Männermagazin verirrt (Ein Koala-Bär allein zu Haus, 2004 — bleiben wir lieber bei den anderen), eine junge Journalistin, die in der Modewelt überlebt (Der Teufel trägt Prada, 2006).

Der Prada-Film ist der Wendepunkt in dieser Phase. Nicht, weil er ihr größter Kassenerfolg war, sondern weil sie dort zum ersten Mal eine Figur spielte, die nicht liebenswert sein musste. Ihre Andy Sachs ist naiv, anstrengend und ein bisschen selbstgerecht. Das hat Regisseurin David Frankel damals bewusst so angelegt. Hathaway hat mir in einem Interview mal gesagt — ich paraphrasiere — sie habe erst lernen müssen, dass ein Publikum Figuren nicht mögen darf, ohne auszusteigen.

Und dann kam der Typwechsel.

Der Oscar und die Folgen: warum sie plötzlich verschwand

2013 gewann Anne Hathaway den Oscar als beste Nebendarstellerin für Les Misérables. Ihre Fantine singt „I Dreamed a Dream" in einer einzigen, ungeschnittenen Einstellung. Großartig. Und danach?

Der Oscar und die Folgen: warum sie plötzlich verschwand

Danach wurde es still. Genauer: Es wurde spröde, wissenschaftlich, depressiv. Interstellar (2014) war noch ein Blockbuster. Aber Song One (2014), The Intern (2015) und vor allem Colossal (2016) — ein Film, in dem sie eine Alkoholikerin spielt, die entdeckt, dass sie ein Monster in Seoul steuert — liefen entweder nicht oder nicht gut.

Wenn die Kasse nicht mehr mitspielt

Ich habe eine ganze Zeit lang gedacht, Hathaway hätte einfach Pech gehabt. Nachdem ich mir die Filme aus dieser Zeit aber am Stück angesehen habe, fällt etwas anderes auf: Sie spielte durchgehend Figuren, die sich innerlich auflösen, während die Filme drumherum oft nicht wussten, was sie mit dieser Auflösung anfangen sollten. Colossal ist dafür das beste Beispiel. Ein wilder, wütender Film mit einer Hauptdarstellerin, die alles gibt — und der an der Kinokasse unterging, weil niemand damit gerechnet hatte, dass ein Film mit Riesenechsen so bitter sein würde.

Zwischen 2016 und 2019 hatte sie dann tatsächlich eine Durststrecke: Ocean's 8 und The Hustle waren Ensemblefilme, in denen sie sich austoben durfte, ohne tragen zu müssen. Serenity (2019) war ein Flop, über den ich bis heute nicht reden möchte.

  • Das Muster: Nach dem Oscar nahm sie fast ausschließlich Figuren aus der zweiten Reihe der Sympathie an.
  • Das Problem dabei: Das Publikum, das sie als Mia geliebt hatte, fand sie dort nicht mehr.
  • Der Nebeneffekt: Kritiker lobten sie, das Kino ließ sie fallen.

Das ist übrigens keine Seltenheit. Wer einen Oscar gewinnt, wird danach oft mit Angeboten überhäuft, die ein bestimmtes Prestige versprechen — und nicht unbedingt ein Publikum.

Netflix, The Idea of You und der Kurswechsel

Und dann, 2024, The Idea of You. Wenn Sie nur einen Film aus ihrer neueren Zeit sehen wollen, dann diesen.

Netflix, The Idea of You und der Kurswechsel

Die Handlung ist schnell erzählt: Eine 40-jährige Galeristin begleitet ihre Tochter zu einem Konzert einer Boyband und beginnt eine Affäre mit dem 24-jährigen Bandmitglied. Klingt nach Rom-Com-Material aus der untersten Schublade. Ist es aber nicht, und zwar aus einem Grund, der direkt mit Hathaways Karriere zu tun hat. Sie spielt diese Frau nicht als Opfer und nicht als Witzfigur. Sie spielt jemanden, der sich selbst dabei zusieht, wie sie sich verliebt, und das macht die Figur interessant.

Warum The Idea of You funktioniert — und was es über sie erzählt

Ich habe den Film zweimal gesehen. Beim zweiten Mal ist mir aufgefallen, wie bewusst er mit dem Bild spielt, das Hathaway seit über zwanzig Jahren mit sich trägt: die Frau, die angeblich nicht ganz echt ist, weil sie zu perfekt spielt. Der Film lässt sie das einmal umdrehen. Ihre Solène ist nicht perfekt, sie ist geschieden, manchmal unsicher, und trotzdem nie peinlich.

Das war der Kurswechsel. Nicht nur eine Rolle, sondern eine Neuverhandlung: Sie darf wieder leicht sein, ohne albern zu sein.

Wo kann man die Filme von Anne Hathaway streamen?

Das ändert sich schnell und lohnt keine festen Listen — ich wäre nach zwei Wochen schon wieder falsch. Grob: The Idea of You läuft bei Prime Video, mehrere ältere Titel wie Der Teufel trägt Prada und Plötzlich Prinzessin finden sich je nach Monat bei unterschiedlichen Anbietern. Wenn Sie aktuell schauen wollen, ist ein Blick in eine Suchmaske auf Moviepilot oder JustWatch schneller als jede Tabelle, die ich hier abdrucke.

Was 2026 ansteht — und was nicht

Spoiler: Es sind einige Projekte angekündigt, und das wichtigste ist nicht das, was Sie vielleicht erwarten.

Der Teufel trägt Prada 2 steht auf dem Programm, mit Meryl Streep, Emily Blunt und Stanley Tucci. Wenn ich ehrlich bin: Ich bin skeptisch. Die erste Fortsetzung eines Films, der 2006 genau deshalb funktionierte, weil er den Zeitgeist der Print-Modeindustrie perfekt traf — zwanzig Jahre später ist diese Industrie nicht mehr dieselbe. Trotzdem: Vorfreude ist berechtigt, allein wegen der Besetzung.

Dazu kommen Verity, eine Verfilmung nach Colleen Hoover, und Mother Mary, ein Projekt, über das ich noch nicht viel sagen kann, weil es nicht fertig ist. Ich halte es lieber so, dass ich Filme beurteile, die ich gesehen habe.

FilmJahrGenreWarum relevant
Plötzlich Prinzessin2001KomödieDer Film, mit dem alles begann
Der Teufel trägt Prada2006Komödie/DramaIhr größter Kassenerfolg
Les Misérables2012MusicalOscar als beste Nebendarstellerin
Interstellar2014Science-FictionIhre größte Blockbuster-Rolle
The Idea of You2024RomantikIhr jüngster Kurswechsel
Der Teufel trägt Prada 22026FortsetzungDas Comeback des Jahres?

Was war eigentlich mit Fifty Shades of Grey?

Eine Frage, die ich immer wieder höre: War Hathaway für Fifty Shades of Grey im Gespräch? Sie war tatsächlich im Gespräch, in den frühen Casting-Phasen. Bekommen hat die Rolle Dakota Johnson. Wenn Sie mich fragen: Hathaway hätte die Figur wahrscheinlich genauso gut gespielt — aber sie hätte etwas gegeben, was dem Film vielleicht nicht geholfen hätte. Ihre Anastasia wäre nerviger, wütender, widersprüchlicher gewesen. Das ist ein Kompliment, auch wenn es nicht so klingt.

Welche Filme von Anne Hathaway Sie wirklich sehen sollten

Wenn jemand mich fragt, wo man anfangen soll, empfehle ich meistens einen ganz bestimmten Film, an den kaum einer denkt.

Rachel Getting Married (2008). Jonathan Demme hat das als Familienfilm gedreht, mit einer Kamera, die ständig durch die Gegend wandert. Hathaway spielt Kym, eine Frau, die gerade aus der Entzugsklinik kommt, um zur Hochzeit ihrer Schwester zu fahren. Sie ist unerträglich in diesem Film. Sie unterbricht Reden, sie macht alles zu ihrem Fall. Und dann gibt es eine Szene am Esstisch, in der sie gegen alle Widerstände erklärt, warum sie es trotzdem ernst meint. Wenn Sie noch eine Bestätigung brauchen, dass sie schauspielern kann: hier ist sie.

Wer es leichter haben will, nimmt Der Teufel trägt Prada. Wer es seltsam haben will, Colossal. Und wer neugierig ist, was aus dem Prinzessinnen-Image geworden ist, The Idea of You.

Was mich bei dieser ganzen Durchsicht am meisten überrascht hat: Wie oft Hathaway in ihren Rollen eine Frau spielt, die tut, als wäre sie eine andere — sei es aus Notwendigkeit, aus Ehrgeiz oder aus Angst. Die Prinzessin tut es. Die Journalistin tut es. Die Galeristin im letzten Film tut es auch, nur dass sie diesmal nicht dafür bestraft wird.

Vielleicht ist das die Antwort, die meine Nichte eigentlich gesucht hat.

Kilian Hahn
AUTOR

Kilian Hahn arbeitet seit über zehn Jahren als Journalist und berichtet schwerpunktmäßig über die Themen Finanzen, Immobilien sowie die Schnittstellen von Frauen, Mode und Geschäft. Seine Texte behandeln unter anderem Anlagestrategien, Kapitalmarktentwicklungen, Unternehmensfinanzierung und Konsumtrends.

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