Ein Bekannter rief mich im Frühjahr an, weil sein Gartennachbar behauptet hatte, die alte Grube unter dem Häuschen sei längst verboten und müsse sofort zugeschüttet werden. Er war völlig aufgelöst. Ich habe mir die Sache angesehen, zwei Stunden recherchiert und ihm dann gesagt: Kommt drauf an, was da reinläuft. Genau das ist der Punkt, an dem die meisten Beratungsgespräche zum Thema Sickergrube schiefgehen — es wird pauschal geurteilt, obwohl die entscheidende Frage eine ganz andere ist.
Und das ist auch der Grund, warum ich diesen Artikel schreibe. Nicht weil es zu wenig Informationen gibt, sondern weil die wenigen klaren Sätze im Netz zwischen hundert Halbwahrheiten untergehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Eine Sickergrube für Abwasser oder Fäkalien ist in Deutschland fast ausnahmslos verboten — Grundwasserschutz.
- Für Regenwasser ist die Versickerung unter Bedingungen möglich, aber genehmigungspflichtig, und die zuständige Behörde ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden.
- Eine Sickergrube ist keine Sammelgrube: Die eine lässt Flüssigkeit in den Boden, die andere hält sie dicht.
- Wer eine alte Anlage im Garten vorfindet, sollte zuerst klären, was hineingeleitet wird — danach, was zu tun ist.
- Die häufigsten Probleme sind Verstopfung, Sedimente und Rückstau; Wartung entscheidet mehr als Baumaterial.
Sickergrube: verboten oder erlaubt? Die Antwort hängt an einer einzigen Frage
Die kurze Version: Bei Abwasser ist die Sache klar, bei Regenwasser ist sie es nicht.
Eine Sickergrube ist eine unterirdische Anlage, die Flüssigkeit aufnimmt und an den umgebenden Boden abgibt. In ländlichen Gegenden ohne Kanalanschluss war das jahrzehntelang die einfachste Lösung überhaupt. Das Problem: Was da versickert, ist irgendwann nicht mehr nur Wasser. Es sind Nährstoffe, Keime, Reinigungsmittel, Fäkalien. Und alles davon landet früher oder später dort, wo jemand anderes sein Trinkwasser herholt.
Sind Sickergruben noch erlaubt?
Die Errichtung einer Sickergrube für Abwässer ist in Deutschland fast ausnahmslos verboten. Der Zweck ist eindeutig: Es soll verhindert werden, dass Abwasser ins Erdreich dringt und das Grundwasser verunreinigt — und damit auch das Trinkwasser. Geht es um die Ableitung von Fäkalien, ist eine Sickergrube tabu. Punkt.
Wer jetzt einwendet, dass Zisternen doch auch erlaubt sind, hat den Unterschied nicht verstanden. Eine Zisterne sammelt und hält. Eine Sickergrube lässt durch. Das ist der ganze Unterschied, und er ist der Grund, warum die eine Anlage genehmigt wird und die andere nicht.
Bei Regenwasser sieht es anders aus. Hier ist es unter bestimmten Voraussetzungen möglich, das Regenwasser versickern zu lassen — der Vorteil ist, dass die Kanalisation entlastet wird. Aber: Sie brauchen eine Genehmigung. Und je nach Gemeinde sind dafür ganz unterschiedliche Stellen zuständig. Ich habe in den letzten Jahren Anlagen in vier verschiedenen Landkreisen begleitet, und in keinem davon saß dieselbe Behörde am Tisch. Mal war es das Bauamt, mal die Umweltbehörde, in einem Fall das Tiefbauamt, und in einem kleinen Ort war es tatsächlich das Ordnungsamt.
Kurz gesagt: Die Frage nach dem Verbot ist keine Frage des Ob, sondern des Wofür.
Regenwasser, Abwasser, Garten: wo die Grenzen verlaufen
Ich habe einmal eine Anlage gesehen, die offiziell als Regenwasserversickerung eingetragen war. Der Zulauf kam direkt vom Dach. Nur war da noch ein zweites Rohr. Dünner, älter, aus dem Nebengebäude. Der Eigentümer hat mir versichert, das sei „nur Waschwasser“. Ich habe es nicht kommentiert. Aber das ist der Alltag: Was in den Papieren steht und was tatsächlich durch das Rohr läuft, sind zwei verschiedene Dinge.
Was tun mit einer alten Sickergrube im Garten?
Die häufigste Situation, die mir begegnet: Ein Haus oder Garten wird übernommen, und im hinteren Teil steht ein Betondeckel mit einem Griff dran. Niemand weiß, was darunter liegt. Mein Rat — in dieser Reihenfolge:
- Deckel öffnen, aber mit Abstand und Handschuhen. Der Geruch sagt mehr als jede Akte.
- Zulaufleitungen verfolgen. Woher kommt das Rohr? Vom Dach, von einer Toilette, von einem Handwaschbecken?
- Bauamt oder Untere Wasserbehörde anrufen und fragen, ob für das Flurstück etwas eingetragen ist. Das kostet ein Telefonat und spart manchmal Monate.
- Erst dann entscheiden, ob stillgelegt, umgewidmet oder nachgerüstet wird.
Ein Fehler, den ich selbst gemacht habe: Bei meinem ersten solchen Fall habe ich die Grube leerpumpen lassen, bevor ich wusste, was drin war. Das war teuer und unnötig — und der Inhalt hätte fast das Grundstück eines Nachbarn kontaminiert, weil der Abfluss nicht sauber abgedichtet war. Seitdem gilt bei mir: erst klären, dann anfassen.
Sickergrube im Schrebergarten und im alten Haus
Die klassische Plumpsklo-Situation. Fäkalien, die nicht in die Kanalisation, sondern in eine Sickergrube gelangen. Für viele ist das eine Kindheitserinnerung und heute ein Rechtsproblem. Bei Gartengrundstücken kommt hinzu, dass die Anlage oft nicht dem Eigentümer des Bodens gehört, sondern gepachtet ist. Das führt regelmäßig zu Streit darüber, wer die Stilllegung zahlt. Meine Erfahrung: In etwa einem Drittel der Fälle ist es unklar, und die Stilllegung bleibt am Pächter hängen. Klären Sie das, bevor Sie den Pachtvertrag unterschreiben.
Darf man eine Sickergrube selber bauen?
Theoretisch in Eigenleistung — praktisch fast nie sinnvoll. Für Regenwasser gibt es Bausätze, und ein erfahrener Hobbyhandwerker bekommt das mit drei Tagen Arbeit hin. Aber Sie brauchen vorher die Genehmigung, und der Antrag verlangt Angaben zu Abmessungen, Abstand zu Grenzen und Versickerungsleistung des Bodens. Letzteres lässt sich in einem Vormittag testen: Loch graben, Wasser rein, messen, wie schnell der Pegel fällt. Ohne diesen Test rate ich von jedem Bau ab — die Zahlen entscheiden über die Dimensionierung, und zu klein gebaut heißt nach zwei Jahren Verstopfung.
Wie tief sollte eine Sickergrube sein — und wie oft muss sie geleert werden?
Hier kommen wir zu den zwei Fragen, bei denen ich am häufigsten Widersprüche höre. Ehrlich gesagt: Eine bundesweit einheitliche Tiefenangabe gibt es nicht, und wer Ihnen eine nennt, ohne den Boden zu kennen, erzählt Unsinn.
Wie tief sollte eine Sickergrube sein?
Entscheidend ist nicht die Tiefe an sich, sondern der Abstand zum Grundwasser und die Sickerfähigkeit des Bodens. Als Orientierung, die sich in meiner Praxis bewährt hat: Die Sohle sollte deutlich über dem höchsten zu erwartenden Grundwasserstand liegen — ich plane nie unter etwa einem Meter Abstand, und bei bindigen Böden eher mehr. Dazu kommt der Abstand zu Nachbargrenzen, zu Bäumen und vor allem zu Trinkwasserbrunnen in der Nähe. Genaue Werte legt die zuständige Behörde fest.
Ein Bekannter hat in Lehmboden eine Grube mit drei Metern Tiefe gebaut. Nach einem Jahr stand sie voll. Nicht weil sie zu klein war, sondern weil der Lehm nichts durchließ. Er hat dann eine zweite, flachere Anlage daneben gesetzt. Zwei Gruben. Ein Vermögen.
Wie oft muss man eine Sickergrube leeren?
Das hängt davon ab, wie viel Sediment und Schlamm anfallen. Bei reinen Regenwasseranlagen ist es oft über Jahre nicht nötig — solange der Zulauf über einen Filter läuft. Ohne Filter setzen sich Blätter, Sand und Splitt aus dem Dachablauf ab, und dann geht es schnell. Ich habe Anlagen gesehen, die nach drei Jahren zu einem Drittel zugesetzt waren.
Praktische Regel, die sich bewährt hat: Sichtprüfung jährlich, spätestens vor der Herbstlaubphase. Sinkt der Wasserstand nach einem Regenguss auffällig langsam, ist es Zeit. Wer das ignoriert, zahlt später nicht für eine Reinigung, sondern für einen Rückstau im Keller.
Welche Nachteile hat ein Sickerschacht?
Ein Sickerschacht ist die schmale Variante — meist ein Rohr aus Betonfertigteil oder Kunststoff. Er braucht wenig Platz, das ist sein einziger echter Vorteil. Die Nachteile sind dafür umso deutlicher:
- Wenig Speichervolumen. Bei Starkregen geht das Wasser oben wieder raus, nicht in den Boden.
- Hohe Empfindlichkeit gegen Feinsediment — ein einziger Frühjahrssturm mit Splitt vom Dach kann den Schacht zusetzen.
- Die Reinigung ist fummelig. Ich habe einmal vier Stunden an einem verstopften Kunststoffschacht verbracht. Ergebnis: 40 Zentimeter Sediment, kein Zugang für die Spüllanze, alles von Hand.
- Und der wichtigste Punkt: Ein Schacht entlastet die Kanalisation nur, wenn er tatsächlich durchlässt. Tut er das nicht, ist er teurer Ballast.
Bei einem normalen Grundstück mit Garten würde ich heute eher in eine Flächenversickerung über eine Mulde oder einen Rigolenkörper gehen. Weniger Wartung, mehr Reserve. Aber das ist meine Meinung — und ich weiß, dass Platz oft der limitierende Faktor ist.
Sickergrube, Sickerschacht und Sammelgrube im Überblick
| Merkmal | Sickergrube | Sickerschacht | Sammelgrube |
|---|---|---|---|
| Funktion | gibt Flüssigkeit an den Boden ab | gibt Flüssigkeit an den Boden ab, schmal | hält dicht, wird abgepumpt |
| Für Abwasser zulässig | nein, fast ausnahmslos verboten | nein | ja, genehmigungsabhängig |
| Für Regenwasser | mit Genehmigung möglich | mit Genehmigung möglich | selten sinnvoll |
| Wartungsaufwand | mittel bis hoch | hoch | regelmäßiges Abpumpen |
| Risiko | Verstopfung, Grundwassereintrag | Verstopfung, Rückstau | Überlauf, Kosten |
Was am Ende zählt
Am Telefon habe ich meinem Bekannten damals geraten, den Deckel zu öffnen und das Rohr zu verfolgen. Es kam vom Dach. Nur vom Dach. Die Grube war also eine Regenwasserversickerung, die seit Jahrzehnten funktionierte und für die es lediglich keine Unterlagen mehr gab. Er hat sich die Genehmigung nachträglich besorgt. Kosten: ein Formular, ein Anruf, ein Vormittag.
Der Gartennachbar hatte übrigens unrecht. Aber das Lustige ist: Hätte mein Bekannter auf ihn gehört und die Grube zugeschüttet, wäre das Wasser trotzdem irgendwohin gelaufen — nur ohne Genehmigung und ohne Filter.
Und genau da liegt die Frage, die sich jeder selbst stellen sollte, der so einen Deckel im Garten hat: Nicht, ob die Anlage erlaubt ist. Sondern ob Sie wissen, was durch das Rohr da unten tatsächlich hineingeht. Die meisten wissen es nicht.