Startup Definition einfach erklärt: Was ist ein Startup wirklich

Kaum ein Begriff wird so verwässert wie „Startup". Was wirklich dahintersteckt – und warum die meisten jungen Firmen keine sind – erklärt dieser Artikel anhand der Definition von Steve Blank.

Startup Definition einfach erklärt: Was ist ein Startup wirklich

Ich saß mal mit einem Gründer in einem Café in Berlin-Kreuzberg, der mir stolz erzählte, seine Firma sei "definitiv ein Startup". Sieben Jahre alt, achtzehn Angestellte, stabiler Umsatz, keine Wachstumsambitionen über die nächsten fünf Prozent hinaus. Ich habe nichts gesagt. Aber innerlich dachte ich: Nein, Bruder. Das ist ein kleines Unternehmen. Und das ist etwas völlig anderes.

Das Problem mit der Startup-Definition ist nämlich, dass sie ständig verwässert wird. Jeder, der eine GmbH gründet und einen Laptop besitzt, nennt sich heute Startup. Dabei hat der Begriff einen ziemlich präzisen Kern, wenn man ihn ernst nimmt. Ich schreibe seit Jahren über Gründerszenen und habe selbst zwei Firmen aufgebaut, eine davon gescheitert. Was ich dabei über die Grenze zwischen "Startup" und "normaler Firma" gelernt habe, hat wenig mit Buzzwords zu tun und viel mit einem einzigen Wort: Ungewissheit.

Wichtige Erkenntnisse

  • Ein Startup ist keine junge Firma per se, sondern eine Firma, die ein wiederholbares, skalierbares Geschäftsmodell sucht.
  • Die häufigste Definition stammt von Steve Blank: "a temporary organization designed to search for a repeatable and scalable business model".
  • Rechtlich gibt es in Deutschland keinen eigenen Startup-Status – nur normale Rechtsformen wie GmbH oder UG.
  • Nicht jede Neugründung ist ein Startup. Ein Friseursalon, eine Praxis oder eine Agentur sind es in der Regel nicht.
  • Auch die Phase zählt: Sobald ein Modell gefunden ist und skaliert wird, spricht man oft von einem Scale-up.

Was ist ein Startup? Die Definition, die tatsächlich trägt

Fangen wir mit der Definition an, die in der Szene am meisten zitiert wird. Sie kommt von Steve Blank, einem amerikanischen Unternehmer und Dozenten an der Stanford University, der den Begriff "Customer Development" geprägt hat. Seine Formulierung: Ein Startup ist eine temporäre Organisation, die ein wiederholbares und skalierbares Geschäftsmodell sucht.

Lies das nochmal. Zwei Dinge fallen auf. Erstens: das Wort "temporär". Ein Startup ist per Definition ein Zwischenzustand, kein Endzustand. Zweitens: "sucht". Es geht ums Suchen, nicht ums Verwalten. Genau da liegt der Unterschied zu einer Bäckerei, die von Tag eins weiß, wie ihr Geschäft funktioniert.

Wissenschaftliche Definition: Was die Forschung wirklich sagt

Die akademische Sicht ist strenger als der Sprachgebrauch. In der Entrepreneurship-Forschung, etwa rund um die Zeitschrift Journal of Business Venturing, gelten Startups als Organisationen, die unter extremer Ungewissheit operieren und deren Erfolg sich nicht aus historischen Daten vorhersagen lässt. Ein klassisches Unternehmen kann seinen Umsatz für nächstes Jahr halbwegs prognostizieren. Ein Startup kann das nicht, weil es seinen Markt oft erst erfindet.

Eric Ries, Autor von "The Lean Startup", hat dieselbe Idee populär gemacht: Startups sind keine kleineren Versionen großer Firmen. Sie brauchen eine andere Managementmethode. Wer versucht, ein Startup wie ein etabliertes Unternehmen zu führen, produziert meistens teure Fehlschläge.

Start-Up Duden: Was der Wörterbuch-Eintrag verrät

Der Duden führt "Start-up" (mit Bindestrich, kleingeschrieben nach dem ersten Buchstaben) als Bezeichnung für eine junge, noch kleine Unternehmung mit neuen, innovativen Produkten oder Geschäftsideen. Das ist die umgangssprachliche Version. Nett, aber zu weich. Sie erklärt nicht, warum Startups scheitern dürfen und andere Firmen nicht.

Ich würde sagen: Der Duden beschreibt das Symptom, nicht die Krankheit. Junge Firma plus Innovation ist die Oberfläche. Der eigentliche Motor ist die Suche nach einem Modell, das explosionsartig wachsen kann.

Was heißt Startup auf Deutsch – und was nicht

Auf Deutsch sagt man häufig "Start-up-Unternehmen" oder "Jungunternehmen". Aber Vorsicht: Diese Begriffe überlappen nur teilweise. Ein Jungunternehmen ist einfach eine neue Firma. Ein Startup ist eine neue Firma mit einem bestimmten Ambitionsniveau.

Und dann gibt es noch das "Start-Up Drama" – also die romantisierte Erzählung vom Garagen-Gründer, der gegen alle Widerstände zum Milliardär wird. Davon rate ich dringend ab. Das Narrativ hat mehr mit Fernsehen zu tun als mit dem Alltag von Leuten, die tatsächlich gründen.

Startup oder nicht: Die Kriterien, die wirklich zählen

Wenn ich jemandem erklären soll, ob seine Firma ein Startup ist, stelle ich vier Fragen. Nicht die aus dem Lehrbuch, sondern die, die ich mir nach meinem ersten gescheiterten Versuch angewöhnt habe.

Startup oder nicht: Die Kriterien, die wirklich zählen
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  • Kann das Geschäftsmodell überhaupt scheitern, weil es noch nicht existiert?
  • Wächst der Aufwand für eine neue Kundin nicht linear mit dem Umsatz?
  • Ist der Markt heute klein und in fünf Jahren möglicherweise riesig?
  • Gibt es einen Plan, der nicht funktioniert, und einen, der es vielleicht tut?

Wenn du bei allen vier "nein" oder "äh" sagst, hast du wahrscheinlich kein Startup. Und das ist völlig okay. Es gibt nichts Ehrenwertes daran, sich ein Label anzuhängen.

Die Skalierbarkeit – der harte Kern der Definition

Das wichtigste Kriterium ist Skalierbarkeit. Ein Startup kann seinen Umsatz vervielfachen, ohne dass die Kosten im gleichen Verhältnis steigen. Eine Software, die hundert Nutzer bedient, tut fast dasselbe wie eine, die eine Million bedient. Ein Restaurant dagegen muss für jeden neuen Tisch einen Koch und ein Zimmer bezahlen.

Deshalb ist Netflix das gern zitierte Beispiel. Start-Up Netflix begann 1997 als DVD-Versand per Post, ein winziges Unternehmen mit einer ungewissen Zukunft. Als der Streaming-Markt aufkam, konnte Netflix sein Modell kopieren, ohne für jeden neuen Zuschauer neue Infrastruktur zu kaufen. Aus der Suche wurde ein gefundenes, endlos duplizierbares Modell.

Start-up Beispiele aus Deutschland und was sie gemein haben

Nehmen wir drei echte Fälle. Celonis, 2011 in München gegründet, analysiert Geschäftsprozesse mit Software. Personio, 2015 gestartet, verkauft Personalsoftware an kleine Firmen. Enpal, 2017 in Berlin, vermietet Solaranlagen mit einem Finanzierungsmodell. Alle drei gemeinsam: Sie haben Jahre mit einem unklaren Modell verbracht, bevor sie wussten, was funktioniert.

Und was heißt das konkret? Keiner dieser Firmen war bei Gründung klar, ob der Markt groß genug wäre. Das eben ist der Startup-Zustand.

MerkmalStartupKlassisches UnternehmenFreelancer / Solo
Geschäftsmodellwird gesuchtsteht festist die eigene Arbeitskraft
Skalierbarkeithoch, oft ohne linear steigende Kostenmeist linearpraktisch null
Finanzierungoft Venture Capital, Business AngelsBank, Ersparnisse, CashflowKundenaufträge
Risikoextrem hochmoderatmoderat
RechtsformGmbH, UG, AG – kein eigener StatusbeliebigEinzelunternehmen, Freiberufler

Alter, Recht und die Frage nach dem Status

Hier wird es knifflig. Weil viele glauben, es gäbe eine offizielle Startup-Definition mit Zahlen. Gibt es nicht. Zumindest nicht in Deutschland.

Alter, Recht und die Frage nach dem Status
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Startup Definition Alter: Wie jung muss eine Firma sein?

Es gibt keine gesetzliche Altersgrenze. In der Praxis bezeichnen die meisten Leute Firmen bis etwa zehn Jahre nach Gründung als Startup. Danach wird das Wort meistens unpassend, selbst wenn das Geschäftsmodell noch unklar ist. Die Grenze ist weich und das ist Absicht. Ein Unternehmen, das nach zwölf Jahren noch sein Modell sucht, hat nicht mehr ein Startup-Problem – es hat ein Geschäftsproblem.

Gibt es einen rechtlichen Startup-Status?

Nein. Und das überrascht viele. Das deutsche Recht kennt keine Sonderform "Startup". Eine junge Firma ist entweder eine GmbH, eine UG (haftungsbeschränkt), eine GmbH & Co. KG oder eine andere übliche Form. Was es gibt, sind bestimmte Förderprogramme, etwa der EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft, oder steuerliche Sonderregeln für kleine Kapitalgesellschaften.

Aber: Das sind Förderinstrumente, keine Definition. Ein Handwerksbetrieb in zweiter Generation kann theoretisch dieselbe Förderung beantragen, wenn er die Kriterien erfüllt. Das Label "Startup" ist wirtschaftlich, nicht juristisch.

Ich habe das selbst schmerzhaft gelernt. Bei meiner ersten Gründung dachte ich, "Startup" hätte einen rechtlichen Beigeschmack. Meine Steuerberaterin hat mich in einem zwanzigminütigen Telefonat freundlich korrigiert. Ich habe mich selten so naiv gefühlt.

Was ist kein Startup? Die Gegenprobe

Die ehrlichste Definition ist oft die negative. Wenn du wissen willst, ob dein Vorhaben ein Startup ist, prüfe, ob die folgenden Aussagen auf dich zutreffen. Wenn ja, ist es wahrscheinlich keins – und das ist eine gute Nachricht, keine schlechte.

  1. Dein Umsatz hängt direkt davon ab, wie viele Stunden du arbeitest.
  2. Du kannst deinen Markt grob abschätzen, weil er bereits existiert.
  3. Deine ersten Kunden kommen aus deinem persönlichen Netzwerk, nicht aus einem Experiment.
  4. Ein Scheitern würde dich nicht ruinieren, weil du im Zweifel einfach weniger verdienst.
  5. Du willst eigentlich gar nicht wachsen.

Wer diese Liste liest und innerlich nickt, baut etwas Solides. Handwerk, Beratung, Praxis, Laden. Kein Grund, sich kleiner zu machen. Ich sage es deutlich, weil ich es drei Jahre lang falsch gemacht habe: Ein gesundes kleines Unternehmen ist nicht die Vorstufe eines Startups. Es ist oft das klügere Ziel.

Und was ist eine Scale-up?

Manche Leute benutzen "Startup" und "Scale-up" synonym. Sind sie nicht. Ein Scale-up hat sein Modell gefunden und wächst jetzt schnell. Die Suche ist vorbei. Die Herausforderung ist eine andere: Prozesse bauen, Personal finden, nicht an der eigenen Geschwindigkeit ersticken.

In der Praxis ist der Übergang fließend. Ich kenne Firmen, die nach drei Jahren schon Scale-up waren. Ich kenne andere, die nach acht Jahren immer noch suchen. Die Dauer sagt nichts. Die Frage, ob das Modell steht, sagt alles.

Was bleibt von der Definition?

Wenn du dir eine einzige Sache merkst, dann diese: Ein Startup ist keine Altersangabe und kein Rechtsstatus. Es ist ein Zustand der produktiven Ungewissheit. Sobald die Ungewissheit verschwindet, hört das Startup auf, ein Startup zu sein. Egal ob nach zwei Jahren oder nach zwölf.

Und das ist der Grund, warum ich vorsichtig werde, wenn jemand sich selbst in der ersten Minute als Startup bezeichnet. Wer sein Modell gefunden hat, prahlt nicht mit dem Etikett. Wer es noch sucht, hat meistens keine Zeit für die Bezeichnung.

Vielleicht ist das die beste Prüfung, die ich kenne: Ein echtes Startup nennt sich selten so. Es ist zu beschäftigt damit, zu überleben.

Philipp Lange
AUTOR

Philipp Lange ist Journalist und befasst sich seit über zehn Jahren mit den Themen Finanzen, Immobilien sowie Frauen- und Modebranche. Seine Arbeit umfasst die Analyse von Kapitalmärkten und Immobilienbewertungen ebenso wie die Berichterstattung über Unternehmensentwicklungen in der Modeindustrie. Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre war er mehrere Jahre für die Wirtschaftsredaktion eines überregionalen Medienhauses tätig.

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